„Collaborate to innovate“ ist eine schöne Idealvorstellung von der Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen. Dass es in Wirklichkeit aber dabei ziemlich knirschen kann und die Zeiten rauer werden, hat jetzt eine Studie von Accenture und dem Startup Verband, die auf Befragungen von 500 Startups und Unternehmen beruht, zu Tage gebracht. Das Bewusstsein für den Sinn einer solchen Zusammenarbeit ist zwar da, denn 90% der Unternehmen sehen das Potenzial der Startups als Innovationspartner. Im Alltag haben aber andere Dinge Vorrang und es machen sich alte Vorurteile breit, so dass nur 11% der Startups von einer hohen Kooperationsbereitschaft der Wirtschaft berichten. Und nur 28 % der Etablierten erwarten einen Return on Investment aus der Kooperation.
Noch gravierender: Es scheint, als ob sich nach einem gewissen Modetrend inzwischen Ernüchterung breit gemacht hat. Lediglich 28% der Corporates ziehen aus ihren Kooperationsprojekten hohen Ertrag. Insbesondere längerfristige strategische Maßnahmen der Unternehmen werden abgebaut oder in viel geringerem Maße neu gestartet. So wurden im Zeitraum 2014 bis 2019 per Saldo noch 28 Corporate Accelerators neu aufgelegt, während es 2020 bis 24 nur sechs waren.
Als Fazit der Studie kann man festhalten. Strukturelle Unterschiede und mangelndes Vertrauen sind die größten Hindernisse bei der Kooperation. Hinzu kommen gegensätzliche Unternehmenskulturen und unterschiedliche Bedürfnisse nach Geschwindigkeit und Sicherheit.
Für BAAR und seine Partnerorganisation pro Ruhrgebiet kann das aber nicht heißen, aufzugeben. Mit der Veranstaltungsreihe „KUER vor Ort“, die am 27.08.2025 in der neuen Unternehmenszentrale von Materna SE in Dortmund erstmals durchgeführt wurde, soll versucht werden, den Trend zu widerlegen. Vier Startups aus dem Alumini-Netzwerk des KUER.NRW Businessplan Wettbewerbs[1] führten beispielhaft vor, wie breit die Möglichkeiten gestreut sind, erfolgreich zwischen etablierten Unternehmen und Startups zu kooperieren. Dabei ist Innovation nur ein Feld, vielmehr kann die Partnerschaft zum beiderseitigen Nutzen sehr vielfältig ausgelegt sein. Offenkundig ist dieser beiderseitige Nutzen der Schlüssel zum Erfolg der Kooperation. „Collaborate to innovate“ ist ein anregendes Schlagwort, aber es geht um mehr.
Wie kommen etablierte Unternehmen und Startups nun passgenau zusammen? 80 % der Unternehmen wünschen sich laut Studie Präsenztreffen. Aber diese müssen vorbereitet sein, damit das Matching funktioniert. ist. Die Unternehmen müssen ihre Innovationsbedürfnisse und Kooperationsmöglichkeiten formulieren und die Startups müssen darauf mit konkreten Vorschlägen zu ihren Produkten und Dienstleistungen reagieren. Es kommt darauf an, erst einmal ins Gespräch zu kommen. In dessen Verlauf eröffnen sich dann oft noch ganz andere sinnvolle Möglichkeiten der Kooperation.
Vielleicht hat der von der Studie festgestellte Trend auch etwas Gutes. Man sollte die Hunde nichts zum Jagen tragen, sondern ausschließlich für diejenigen eine Struktur der Zusammenarbeit schaffen, die wirklich bereit sind, diese in die Tat umzusetzen. Der Erfolg erzeugt seine eigene Dynamik.
[1] Durchgeführt im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen